Liebe PFF Besucher*innen,
ich möchte einige Gedanken zum Positive Futures Festival mit euch teilen. Hinter dem Festival steckt ein Team von musikbegeisterten Menschen, die über das Jahr verteilt in den unterschiedlichsten Ländern, auf den vielfältigsten Festivals faszinierende und oft unbekannte Music Acts kennenlernen. All diese Entdeckungen werden für das Festival Programm zusammengetragen.
Daraus entsteht das PFF, ein Festival für Outernational Music, das in verschiedenen Innsbrucker Locations stattfindet. Bei uns geht es nicht um Genres oder Superstars. Wir bieten unterrepräsentierten Künstler*innen aus diversen Musikrichtungen, Ländern und Kulturen eine Bühne. Wir verstehen Outernational Music als einen progressiven, erfrischenden Ausdruck einer sich stetig verändernden Welt und wir setzen uns über wahrgenommene, metaphorische und ganz reale Grenzen hinweg.
Das PFF soll ein überregionaler Leuchtturm für abenteuerliche und inspirierende Kunst werden. Dabei ist es uns auch sehr wichtig mit kreativen Innsbrucker Kollektiven zu kooperieren und jungen Talenten eine Plattform im Rahmen des Festivals zu bieten. Für 2025 haben wir das EAT network, die Kulturvereine Talstation, Wissenschaft und Verantwortlichkeit (WuV) sowie das Stromboli eingeladen mit uns gemeinsam einige Abende und Inhalte zu gestalten.
“Empathy Over Opinion” – unsere Kernaussage. Wir leben in einer Zeit, in der Nationalismus, Leitkulturdebatten und Schubladendenken an der Tagesordnung sind. Uns ist bewusst, dass wir nicht auf einmal die Welt verändern können. Wenn wir allerdings bei uns anfangen, unser Umfeld durch Courage, Empathie und Aufgeschlossenheit gegenüber unbekannten Menschen aus fremden Ländern und Kulturkreisen beeinflussen, sind wir überzeugt, uns gemeinsam Schritt für Schritt in eine positive Zukunft zu bewegen.
Was ich euch für einen Besuch beim Positive Futures Festival ans Herz legen möchte, ist etwas, das mir selbst sehr oft in meinem Leben die meiste Freude beschert hat: Lasst euch ein auf das Unbekannte, auf neue Acts und Performances, Ihr werdet überrascht sein, was es zu erleben gibt.
Danke an alle Menschen, die beim Festival mitwirken, an unsere Fördergeber*innen und Sponsor*innen, an alle Locations und deren Verantwortliche, die uns beherbergen und an all die vielfältigen Inspirationsquellen – ohne euch würde das Positive Futures Festival in dieser Form nicht stattfinden.
Ich wünsche euch ein schönes, ereignisreiches und anregendes Festival. Bleibt offen und neugierig.
Im Namen des gesamten PFF-Teams.
Euer Martin
„Hier wird nicht belehrt, hier gibt’s nichts zu verstehen – nur zu fühlen.“
VON DER WIDERSTÄNDIGEN PRÄSENZ DER GLÜHWÜRMCHEN, oder: DARKNESS OFTEN YIELDS THE BRIGHTEST LIGHT
Gehst Du an einem späten Sommerabend an den Rand Deiner Stadt, wendest Dich von ihren Lichtern ab und dem Gebüsch des niederen Waldes zu, wirst Du die Glühwürmchen sehen. Lucciole, würde Pier Paolo Pasolini sagen. Temporär aufflackernde Botinnen. Intermittierende Lichtfäden, feuerweiß – ein Menetekel für die Flüchtigkeit von Bedingungen und Strukturen. Drehst Du Dich dann wieder um, hin zu Deiner Stadt, könntest Du Dir folgende Fragen stellen: Von welchen Lichtern willst Du Dich eigentlich lieber locken lassen? Von den großen im Zentrum oder den kleinen am Rand? Und in welchem dieser Lichter wirst Du zum Subjekt?
Pasolini beklagte vor rund einem halben Jahrhundert – als sich das Kapitalozän schön langsam wie ein finales Löschpapier über die Welt zu legen begann, als sich aufgrund etlicher politischer Verwerfungen die ersten Neofaschismen der Spätmoderne zu bilden begannen, als der gefühlte Anfang vom Ende begann – das Verschwinden der Glühwürmchen. Was meinte er damit? Zwar ging er von ökologischen Gründen wie der Zerstörung der Lebensräume oder der Lichtverschmutzung aus, die die zunehmend fehlende Sichtbarkeit der Glühwürmchen bedingten, verwies im übertragenen Sinne aber auf die beginnende Abwesenheit gesellschaftspolitischen Aufbegehrens gegen bestehende Machtstrukturen. Die Scheinwerfer der Propaganda, in deren grellem Licht sich die politisch und medial Herrschenden präsentierten, waren laut Pasolini also verantwortlich dafür, dass die Oppositionen gegen das totale Ausleuchten widerständiger Räume zunehmend verflachten. Er sah darin ein Anbiedern an den kulturellen Mainstream seiner Zeit. Gleißen die hellsten Scheinwerfer der Machtzentralen zu verheerend, wirst Du an den Rand der Blindheit getrieben. Herrschen der Warenkonsum und der generische Medienstrom, ist es aus mit den Glühwürmchen. Den Widerständigen aller Art. Ciao, niente, nada. Nix geht mehr.
Stimmt nicht, sagt der Kunsthistoriker und Philosoph Georges Didi-Huberman. Schau doch bitte genauer hin! Jahrzehnte nach Pasolinis lichtverlorener Resignation sind die Glühwürmchen ganz und gar nicht verschwunden. Sie sind wie erfinderische Funken, wie tanzende, erratische, unfassbare und widerständig schimmernde Wesen. Wo? Am Rand des scharfen Lichts, außerhalb der Radien der allergrößten Scheinwerfer. In der Peripherie, im Schatten, im Halblicht. Das Wegbrechen avantgardistisch-widerständiger kultureller Praxen mag für die obszön überlichteten Zentren gelten, der Aufenthaltsort der aufmüpfigen Glühwürmchen verlangt aber eine Neuausrichtung Deines Blicks. Sie bewegen sich schnell und formieren sich ständig neu. Sie verschwinden nur, wenn Du an einem Platz bleibst, der nicht mehr dafür geeignet ist, sie wahrzunehmen. Schau doch bitte genauer hin!, morsen sie Dir mit ihrem Luciferin zu, wir sind eh da! Die Glühwürmchen nicht mehr sehen zu wollen, hieße also, sich als Besiegte zu begreifen. Es hieße, immer nur in die blendenden Scheinwerfer zu schauen und den zarten Schimmer des Möglichkeitsraums nicht länger zu erkennen – mag er auch noch so sehr bloßer Zwischenraum, intermittierend, nomadisch oder äußerst unwahrscheinlich situiert sein. Um sich Wissen über den Verbleib der Glühwürmchen anzueignen, muss man sie während ihres kurzen Lebens inmitten der Nacht lebendig tanzen sehen.
Der Raum der Glühwürmchen ist quasi peripher. Er birgt eine vielstimmige Gegenwart, in der das Vergangene durch erfindungsreiche Reimagination auf das Zukünftige verweist. Das Leuchten der Glühwürmchen ist also immer auch ein Ringen um Visionen, um Utopien. Eine Suche, eine Bewegung, ein In-die-Aktion-kommen. Radikales Handlungspotenzial. Subjektivierungsmechanismus. Das Positive Futures Festival will nun bereits zum dritten Mal versuchen, den überbelichteten Gegenwartsraum abzudunkeln – im allerbesten Sinne –, damit Du die Glühwürmchen so richtig satt sehen kannst:
Avalanche Kaito zum Beispiel überwinden kulturelle und geographische Hierarchien, indem sie eine gleißend virtuose Legierung aus disparaten Sounds und Musiziertraditionen schmieden. Maria W Horn und Sara Parkman bewegen sich in ihrem Projekt Funeral Folk zwischen den silbrigen Sphären nordischer Folklore und experimenteller Elektronik. Blanco Teta wiederum leuchten Dir einfach so richtig grell ins Gesicht. Muovipussi besetzen eine mutige ästhetische Position, für die sie weder Bühne noch Spotlight brauchen. Masma Dream World träumt fix luzide. Mandy, Indiana entwickeln untertage mit Stirnlampe am Kopf ihre eigene subversive Strahlkraft. Das Kinn entzündet einen Sound der humanen und urbanen Apokalypse. Bei HUUUM brennt das Feuer einer vitalen Diaspora.
Sie alle operieren an den Bruchstellen von tradierten Archiven und visionärer Klangvorstellung, sie alle fordern ein Glimmen in den peripheren Räumen des gesellschaftlichen und kulturpolitischen Mainstreams ein. Ihr performatives Forschen und Vorangehen schlägt Funken im unsteten Halbdunkel einer polyphonen Gegenwart, in der schon alles gesagt scheint. So wird die Biolumineszenz dieser und vieler anderer Künstler:innen zum lichten Ariadnefaden, der sich durch die zehn aufeinanderfolgenden Oktobernächte der heurigen Festivalausgabe zieht.
Renate Plieseis
Das Positive Futures Festival wird nach den Kriterien von Green Events Tirol basic geplant und umgesetzt. Alle Veranstaltungen außer die Konzerte am Mo. 20.10.25 im Montagu sind barrierefrei zugänglich.
Dein Beitrag: Umweltfreundlich Anreisen for a Positive Future. Alle Veranstaltungsorte sind mit Öffis erreichbar und Fahrradabstellplätze sind vorhanden.
Ermäßigungen gibt für alle Besucher*innen unter 25 Jahren im Rahmen des Vorverkaufs. Freier Zutritt zu allen Veranstaltungen für Besitzer*innen des Kulturpasses Hunger auf Kunst und Kultur. Infos dazu finden sie auf https://www.hungeraufkunstundkultur.at
Unser Catering für Musiker*innen und Team besteht aus vegetarischem und veganem Essen, das wir so gut es uns möglich ist lokal und regional besorgen. Beim Catering und im Ausschank werden ausschließlich Mehrwegflaschen, -geschirr, -besteck und -becher verwendet.
Bei Fragen zu Barrierefreiheit oder Sonstigem bitte bei Martin Bleicher, info@positive-futures.at oder telefonisch unter +43-664-5298718 melden.
BE KIND. BE RESPECTFUL. BE SAFE.
The Positive Futures Festival is a shared space where we come together to celebrate music, art, and community. We are committed to creating a safe and inclusive environment for everyone. We have a zero-tolerance policy for harassment, discrimination, or violence of any kind.
REMEMBER TO:
Be Respectful. Treat everyone with kindness and honour boundaries.
Ask First. Consent is mandatory for any physical interaction.
Speak Up. If you see or experience something that makes you or someone else uncomfortable, tell us.
Cherish the Experience. Disruptive behaviour that interferes with the enjoyment or safety of others is not acceptable.
REPORTING:
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We are here to listen without judgement.
To keep this festival safe and welcoming, anyone engaging in unacceptable behaviour may be asked to leave.